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Stille und Rückzug

Jetzt habe ich lange nichts von mir hören lassen. Ich war in einem extremen Prozess der Stille und des Rückzugs.

 

Diesen habe ich an den unterschiedlichsten und wundervollsten Seen in Portugal verbracht. Hier war es sehr ruhig da sich nur wenige Menschen an den Seen aufhalten. Das kam mir gerade recht.

 

Immer wieder hat mir mein Verstand versucht einzureden, dass ich doch endlich wieder unter Menschen gehen sollte, am gesellschaftlichen Leben teilnehmen soll. Doch in mir war ganz klar zu fühlen, dass dieser Rückzug und die Stille genau das Richtige ist und so habe ich mich darauf eingelassen.

 

Durch die Stille konnte ich so wunderbar die Veränderung in mir wahrnehmen. Ich habe an Kraft und Stärke gewonnen und bin wieder ein Stück tiefer in mich gesunken. Soooo schön.

 

 

 

Immer habe ich mir gewünscht am Wasser zu leben, da ich es so sehr liebe dazusitzen und einfach nur aufs Wasser zu schauen. Das hat so eine meditative Wirkung auf mich. Und als ich eines Tages so da saß, wurde es mir plötzlich klar, dass ich mir mit meiner Reise diesen innigen Wunsch erfüllt habe. Denn ich habe den ganzen Sommer am Meer, am See oder am Fluss verbracht. Es ist so ein Geschenk, morgens, wenn noch niemand da ist einfach ins Wasser zu springen und sich darin zu waschen oder in der Hitze des Tages immer wieder darin abzukühlen. Morgens und Abends herrscht übrigens eine ganz besondere, stille Atmosphäre. Ich liebe das so sehr und es hat mich mehr und mehr mit der Natur verbunden.

 

 

 

Letzte Woche saß ich dann am Abend am Auto und habe gerade meine leckere Avocado genossen, da kam eine junge Frau auf mich zu und fragte, ob ich Sandra wäre. Da war ich erst mal etwas verdutzt, wie ihr euch sicherlich denken könnt. Es hat sich dann herausgestellt, dass es die Tochter einer Frau aus meiner Facebook Gruppe Vanlife Girls ist. Sie hat mir auch noch vor einigen Tagen geschrieben, das ihre Tochter mit Ihrem Freund in Portugal unterwegs ist.

 

Laura hatte zufällig mit ihrer Mutter telefoniert und ihr ein kleines weißes Auto durch den Busch gezeigt, das sich den besten Platz ergattert hatte und dass das eine Frau mit ganz kuren Haaren sei. Da hat ihre Mutter eins und eins zusammen gezählt und gesagt, das könnte eigentlich nur ich sein.

 

So hat das Leben mich mit Laura und Renato zusammengeführt. Wir hatten einen schönen Abend und Morgen zusammen bevor die beiden weiter in den Norden gefahren sind. Ich hatte kurz überlegt mit den Beiden mit zu fahren, da sie das Gleiche vor hatten wie ich aber mein innerer Prozess war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Ich brauchte noch 3 Tage für mich um zu erkennen, dass ich doch Lust hatte auf so eine angenehme und herzliche Gesellschaft. Also trafen wir uns in Tomar wieder. Hier stehen wir mit Freunden der Beiden auf einem alten kostenlosen Campingplatz, der nicht mehr bewirtschaftet wird aber dennoch über saubere Toiletten und kalte Duschen verfügt. Wir sind dem schlechten Wetter im Norden und an der Küste entflohen. Schon geil, wenn man einfach dem schönen Wetter hinterher reisen kann. Jetzt muss der Norden Portugals noch etwas auf mich warten.

 

 

 

Zuvor war ich in Nazaré, ein weltbekannter Ort in Portugal an dem es im Winter bis zu 30 Meter hohe Wellen gibt. Leider war ich zu früh dort und es gab nur Babywellen und es hat sich herausgestellt, dass ich Laura und Renato dort nur um 2 Stunden verfehlt hatte.

 

Da werde ich im Winter wohl nochmal hinfahren müssen. Denn solche gigantischen Wellen sind jenseits meiner Vorstellungskraft und ich möchte das gerne mal mit eigenen Augen sehen.

 

 

 

Jetzt werde ich übers Wochenende erst mal hier bleiben und nächste Woche möchte ich mich mit meiner neuen Freundin Aidi treffen. Ihre Festival Season ist vorüber und wir wollen ein paar Tage am Barranco Beach verbringen. Doch leider hat uns gestern hier die Nachricht erreicht, dass die Polizei in nächtlichen Razzien Wildcamper im Alentejo Nationalpark mit hohen Strafen vertrieben hat. Mal sehen was wir machen werden.

 

 

 

Folge deiner inneren Führung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Andrea (Donnerstag, 19 September 2019 18:28)

    Schön wieder von dir zu lesen...habe dich schon vermisst �

  • #2

    Sandra (Donnerstag, 19 September 2019 19:08)

    Ja bin ein bisschen abgetaucht �

  • #3

    Elke (Freitag, 20 September 2019 21:48)

    So schön, wieder von Dir zu lesen, liebe Sandra. Es kribbelt jedes Mal in mir, wenn ich von Dir lese. Immer noch erstaunt, dass Du die Einsamkeit so feiern kannst�. Das kann ich so schwer aushalten und bewundere es deshalb sehr, dass Du es lebst. Hab weiterhin so genussvolle und Tiefe Momente. In mir ruft auch etwas nach Ruhe, aber der Schritt über Dir Angst klappt noch nicht. Ich bin gnädig mit mir und genieße es sehr, von Dir zu lesen. Es springen mir viele Gefühle entgegen beim Lesen. Das alleine ist schon ein krasses Gefühl. Ich danke Dir�

  • #4

    Sandra (Freitag, 20 September 2019 22:01)

    Liebe Elke, ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte, sie haben mich sehr berührt. Ja, für manche Menschen ist die Stille nur schwer zu ertragen aber für mich ist es das selbstverständliche der Welt. Sei ganz herzlich umarmt.